„Selamat Siang“ liebe Freunde,

jaah, uns gibt es wirklich noch!! Auch wenn mittlerweile wohl viele von euch geglaubt haben, wir wären irgendwo in NZ untergetaucht und würden jetzt Schafe hüten oder ein ähnliches Aussteigerleben führen, dann können wir euch jetzt offiziell beruhigen, denn wir haben es wirklich nach Bali geschafft und eine kulturelle Zeitreise erlebt!

Damit wir aber zuerst diejenigen von euch, die bei der Überschrift womöglich auf falsche Gedanken gekommen sein sollten, gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, sei gesagt, dass wir eine dritte temporäre Mitreisende im Bunde haben. Nämlich Lauras Mama Maria (aka Nelki), die uns für 3 Wochen ein bisschen Heimatgefühl im exotischen Indonesien gibt.

Der erste Kulturschock ging gleich bei der Taxifahrt vom Flughafen ins alternative Yogi-Staedchen Ubud los. Die chaotischen Verkehrsbedingungen kann man sich wie folgt vorstellen: Rückspiegel sind hier eigentlich überflüssig, da man eh nur nach vorne schaut und sich nur danach richtet was vor einem passiert. Und da muss man gehörig aufpassen, um die unzähligen Motorroller die kreuz und quer über die Fahrbahn brettern nicht über den Haufen zu fahren, oder als Fußgänger nicht von diesen umgenietet zu werden. Meistens befinden sich 3-4 Motoroller nebeneinander auf der Fahrbahn, die oft entweder mit mehren Menschen (max. 3 Erwachsene oder 2 Erwachsene und 2 Kinder), Reissäcken, Gasflaschen, kleinen Imbissbuden und ähnlichem vollgepackt sind (ein Scooter ist unglaublich „geräumig“ und belastbar). Die Hupe ist dabei der beste Freund eines Balinesen und wird zur direkten Kommunikation eingesetzt. Ein Überholmanöver wird demnach mit einem freundlichen Hupen „Achtung ich komme“ angekündigt, wohingegen zweimal Hupen „Platz da, mach den Weg frei“ bedeutet (unsere selbst aufgestellte Theorie). Lichthupe und Blinker sind auch im Dauereinsatz, um noch deutlicher zu zeigen, dass man überholen will und der andere besser ausweicht, um nicht im Graben zu landen. Bei dieser lebensgefährlich erscheinenden, chaotischen, ungeordneten Fahrweise würde man meinen ständig Zeuge eines Unfalls zu werden, aber verwunderlich genug, in 4 Wochen Bali haben wir genau 1 Unfall gesehen.

Einer unserer ersten Erkundungstrips (zu Fuss!) führte über enge Gassen zu den Reisfeldern Ubuds. 6 Augen sehen ja bekanntlich mehr als 4 und so erblickte Nelki am Rande des Reisfelds einen Balinesen, der unter seiner selbstgebauten Bambushütte auf Kundschaft wartete. Belohnt wurden wir daraufhin nicht nur mit 2 superfrischen, jungen Kokosnüssen, die wir genüsslich austranken, sondern auch mit tiefen Einblicken in die balinesische Kultur. Denn Wayan, der mittvierzigjährige Reisbauer, stellte sich als sehr gesprächiger Kautz heraus, der uns in den nächsten 2 Stunden seine Lebensgeschichte ausbreitete, uns seine Pflanzen und Wurzeln zeigte, die er anbaute um jegliche körperliche und geistige Leiden zu heilen, aber uns auch erklärte was es mit dem Hinduismus in Bali auf sich hat. So hat jedes Haus seinen eigenen kleinen Tempel, an dem zweimal täglich kleine Opfergaben aufgebahrt werden. Diese bestehen aus kleinen aus Bananenblättern gefaltete Schälchen, die mit Blüten, etwas Reis, Früchten und einem Räucherstäbchen bestückt sind, um den Goetter und der Natur zu danken, was sie einem bietet. Diese kleinen Schreine/Tempel findet man so gut wie überall und sogar die Autos und Motorroller werden damit versehen, um so stets sicher voranzukommen.

Sicher gelangten wir deshalb auch durch unseren ebenfalls gesprächigen Taxifahrer Putu in das kleine Staedchen Lovina, das im Norden der Insel liegt. Von ihm erfuhren wir auch, dass die Balinesen eine ganz eigene Art haben, wie sie ihre Kinder nennen. So bekommt der Erstgeborene stets den Namen Wayan, gefolgt von Nyoman (oder Komang) als Zweitgeborene/r, dann Made und der/die Vierte heisst Ketut oder Putu; jeweils ganz egal ob es ein Mädchen oder Junge ist. Einen Nachnamen haben die Kinder nicht, sondern nach der Geburt werden von den Eltern verschiedene Namen jeweils auf ein Papier geschrieben und dann ins Feuer geworfen. Der Name auf dem Papier welches als letztes verbrennt ist dann der Zweitname des Kindes. Diese kuriose Art der Namensgebung hatte zur Folge, dass wir auf unserer Reise noch vielen Putus oder Komangs begegnen sollten. 5 Tage verbrachten wir in Kalibukbuk, einem Ortsteil von Lovina. In dieser Zeit machten Jay und Laura spontan und wagemutig ihren Tauchschein und sogar Nelki wagte es die Unterwasserwelt beim Schnorcheln von oben zu betrachten. Da wir nicht im Besitz einer High-Tech Unterwasserkamera sind, gibt es von dem beeindruckenden Leben, welches wir auf 15 Meter Tiefe zu Gesicht bekamen, leider keine Fotos. Wobei es wohl auch zu viel des Guten gewesen wäre ne Kamera zu bedienen, da es uns so schon schwer genug viel, all das was ein Korallenriff zu bieten hat, nur durch den eingeschränkten Ausblick den man durch die Taucherbrille hat, zu erfassen. Die dunkle, ruhige Wasseroberfläche liess nämlich nicht mal annähernd erahnen was für ein buntes Treiben da unten herrscht. An alle Aquaristik Fans da draussen: Tauchen ist wie mal eben in sein Aquarium zu hopsen, dass plötzlich unendliche Ausmaße angenommen hat und umgeben zu sein von Fischschwärmen in allen Farben und Größen, die ihr Korallenrevier umkreisen, das von kuriosen Formen, Farben und Strukturen nur so strotzt.

Die Abende nach den Tauchgängen und den 2 verbleibenden ruhigen Tage nachdem wir den Tauchschein inne hatten, verbrachten wir bei den Geschwistern Komang und Putu, die ein kleines Restaurant (Warnung Music) besitzen. Zwischen den ganzen anderen Touri Restaurants, die mit Happy Hour und Live Musik lockten, fanden wir das im Hinterhof liegende und mit bunten Rasta-Farben bemalte Lokal. Nicht nur die überschaubare Karte und alternative Küchenausstattung (Campinggaskocher und ein Wasserhahn aus dem Fenster der als Spüle fungierte) gab uns das heimische Gefühl aus Neuseeland, sondern vor allem die Gesellschaft der beiden Mädels mit ihren unzähligen Cousinen, Geschwistern und anderen Helferleins die immer mal wieder auftauchten und zum Abwasch angestellt wurden, oder mit dem Motorrad los mussten, um fehlende Zutaten vom nächsten Laden zu besorgen. So gab es nette Abende mit Gitarrenmusik, lange Unterhaltungen über die Unterschiede zwischen Bali und Deutschland, aber auch gemeinsame Kochaktionen: zum Beispiel fangfrischen Baracuda zubereitet von Putu und von unserer Seite Kaiserschmarrn mit Datteln oder Bananen. Da unser Besuch in Lovina auf ein spezielles Zeremoniedatum fiel, wurden wir kurzerhand von den beiden Schwestern eingeladen daran teilzunehmen. Die Balinesen sind wahnsinnig offen wenn es zu ihrem Glauben geht. Es wird für alles gedankt was man zum Leben braucht: Essen, Wasser, Geld, Gesundheit, Transport, etc. Und selbst die Daemonen bekommen eine Gabe, um von diesen Bitte verschont zu werden. Für die Zeremonie waren auch wir angemessen in einem Sarong gekleidet. Am Eingang des nahegelegenen Tempels knieten wir alle 5 nieder und dankten den Göttern, indem wir das gesegnete Wasser tranken, Blüten als Opfergaben vor dem Tempel verteilten und anschliessend hinter die Ohren steckten und von Komang mit Reis gesegnet wurden, indem dieser auf unsere Stirn gedrückt wurde. Sogar der Strand wurde zum Ort der Opfergabe und des Dankes. Die Massen an Obst und kleinen Süßigkeiten die Komang und Putu an die Tempelstätten gelegt hatten, wurden anschliessend wieder eingesammelt und unter uns allen aufgeteilt. Die Großzügigkeit der beiden Schwestern war bewundernswert, da sie selber nicht viel hatten aber an alle Freunde, Bekannte und Nachbarn die an dem Tag vorbeikamen zum Essen einluden oder ihre Opfergaben verschenkten. Wir nahmen sehr viel mit von diesen 5 Tagen eintauchen in den Alltag zweier Schwestern die uns mit ihrem Essen und ihrer Offenheit ein bisschen das Gefühl gaben zu Hause zu sein. Danke Putu und Komang!

Da wir weiter Richtung Osten ziehen wollten, um irgendwann auch noch auf die Nachbarinsel Lombok zu gelangen, war unser nächster Stop das kleine Küstendorf Candidasa. Dort sollten wir die schönste Unterkunft unserer gesamten Reise vorfinden, denn wir hatten ein eigenes balinesisch eingerichtetes Haus, welches nur 20 Meter vom Meer entfernt lag und von einer Wiese mit unzähligen Palmen umgeben war, auf der eine Kuh den „Rasen mähte“ (und Kokosnüsse mit Vorliebe verzehrte). Da wir so ständig unter Kokospalmen umherliefen, war das Bedenken unsererseits recht gross von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. Aber wie sich herausstellte war diese Sorge völlig unnötig, wie die Besitzerin ganz perplex und freundlich lächelnd versicherte, dass so was nie passieren könne, da sie ja jeden Tag Opfergaben darbieten würde und die Götter uns deshalb davor bewahren würden. Na dann kann ja nix passieren ;0 Das typisch balinesische Haus in dem wir wohnten bestand hauptsächlich aus Holz, Bambus und einem mit getrocknetem Gras gedeckten Dach. In Bali herrschen eigentlich konstante hochsommerliche Temperaturen, was dem Hausbau etwas andere Prioritäten gibt als bei uns. Doppelverglasung kennt und braucht hier niemand, selbst Glas ist nicht sehr häufig in den Wohnhäusern anzutreffen, stattdessen hat man immer das Gefühl im Freien zu übernachten. Vor allem an die halb im freien liegenden Bäder könnte man sich echt gewöhnen. Nachts ist man stets umgeben von lautstark kreischenden Geckos, die besonders in Candidasa recht hungrig zu sein schienen. Die am Tag vorher gekaufte Papaya wurde unwissend aber brüderlich mit einem, vielleicht auch mehreren Geckos geteilt. Als diese die folgende Nacht komplett aufgegessen war (von uns), musste man (der Gecko) zumindest mal an Lauras Zeh knabbern, um festzustellen ob der genauso aromatisch schmeckt. Pustekuchen, denn es war nur das wohlriechende Kokosöl auf den Füssen, der Rest war ungeniessbar. Also fast im Freien zu Schlafen hat manchmal auch seine Nachteile, aber den morgendlichen Blick in die Natur kann kein Gecko vermiesen.

An einem unserer Erkundungstrips durch die kleine Stadt trafen wir dann, wie sollte es auch anders sein, auf einen weiteren Komang (diesmal männlich). Dieser kam aus Tenganan, einem der ursprünglichsten Dörfer, welches noch von den Ureinwohnern beherbergt wird, den Bali Aga. Mit ihm unterhielten wir uns lange über Balis massives Müllproblem, was sich vor allem an Stränden, Flüssen und riesigen inoffiziellen Müllkippen am Strassenrand zeigt. Die Einführung von Plastik auf Bali, hat das ganze zu einem Problem gemacht, was nicht so leicht wieder wegzubekommen ist. Von unsere Denkweise her ist es unverständlich das Müll einfach so in die Walachei, oder wo man gerade ist, weggeschmissen wird. Öffentliche Mülltonnen gibt es nur in den etwas entwickelteren Regionen, wie z.B. Ubud, aber selbst da wird der Fluss oder eine Ecke am Strassenrand als Müllkippe genutzt. Früher gab es auf Bali nur Bananenblätter, Kokosnüsse und ähnliche Naturprodukte. All diese sind kompostierbar und können einfach so in die Landschaft geschmissen werden. Mit Plastik geht das nun mal leider nicht, aber das den Menschen dort klarzumachen oder ihnen die Auswirkung von verschmutzen Flüssen, Landschaften und dem Verbrennen von Plastik aufzuzeigen, ist gar nicht so einfach. Das Bewusstsein für Müll ist ein völlig anderes als bei uns, denn es wird einfach nicht darüber nachgedacht, was mit der Plastikflasche passiert, die man unachtsam wegwirft. Selbst bei der grossen Anzahl an westlichen Auswanderern und Touristen, die aus einem Land kommen wo Müll getrennt oder zumindest korrekt entsorgt wird, trifft man auf Ignoranz. Klassische Antworten sind die folgenden: „Ich bin ja nur für 2 Wochen hier, da kann man eh nix ändern“, „Die Balinesen verstehens einfach nicht“, „Auf Java ist es viel schlimmer“, „Wenn man aufhört Plastik zu kaufen und wegzuschmeissen nimmt man den Kindern die Arbeit weg, die es sammeln und dann Geld dafür bekommen“. Wie überall auf der Welt trifft man auch auf Bali auf viel Unverständnis und Schuldzuweisung. Komang hat sich diesem Problem schon seit Jahren angenommen und leistet Aufklärungsarbeit in Schulen, gibt Vorträge bei internationalen Kongressen, und hat in seinem Dorf und der umliegenden Region Muelltonnen aufgestellt. Er selbst ist sich dem langen Weg zu einem sauberen Bali bewusst, aber mit der Einstellung den Kindern von Anfang an ein richtiges Verständnis vom Müll zu geben, scheint er auf dem richtige Weg zu sein. Mit diesem sehr tiefgründigen und aufklärenden Gespräch machten wir uns auf abseits von der touristischen Hauptstrasse hin zum Dorf Tenganan. Es sollte eine Reise zurück zu den Ursprüngen dieser doch mittlerweile sehr vom Tourismus geprägten Insel werden. Aus einem kurzen 2 km Spaziergang entwickelte sich ein anderthalbstündiger Trip, bei dem wir mehr „hinter die Kulissen“ blicken konnten und mit vielen Menschen in Kontakt kamen, wobei uns das ein oder andere indonesische Wort welches wir bis dato gelernt hatten, immer den Einstieg in ein interessantes Gespräch bereitete. Nachdem die Dunkelheit angebrochen war und wir uns auf den Rückweg machen wollten, wurden wir kurzerhand von 2 sehr sympatischen Dorfbewohnern auf ihren Motorrollern mitgenommen. Dies sollte nur ein kleiner Vorgeschmack werden ;)

Da wir in Candidasa sehr ruhige Tage verbrachten, war die nun kommende Speedboatfahrt vom Hafen in Padangbai zu den Gili Inseln, bei der wir mit extrem lauter Partymucke beschallt wurden, ein krasser Gegensatz an den wir uns nicht gewöhnen konnten. Nach dem heissen Ritt über die Wellen, kamen wir dann vom Fahrtwind durchgepustet und halb taub auf Gili Air an (der kleinsten der 3 nebeneinander liegenden Inseln). Auf dieser Insel gibt es weder Autos noch Motorräder, stattdessen geht man einfach klassisch zu Fuss, nimmt das Rad oder lässt sich in einem Pferdewagen umherkutschieren. Die Suche nach einem Nachtlager stellte sich als schwierig heraus. Ab dem zehnten heruntergekommenen oder total überteuerten Hüttchen bzw. Zimmer, welches wir in Augenschein nahmen, hörten wir auf zu zählen und mussten gleichzeitig erschreckt feststellen, dass fast auf jeder freien Wiesenfläche neue Hotels oder Bungalows aus dem Boden gestampft wurden. Nachdem wir fast die ganze Insel, (die man locker in 1 1/2 Stunden zu Fuss umrunden kann) abgeklappert hatten, fanden wir letztendlich ein geeignetes Quartier etwas abseits vom Schuss, an der ruhigeren Nord-West Küste der Insel. Ihr müsst wissen, dass wir bisher in fast jeder Unterkunft morgens mit einem Bananenpfannkuchen und Obst verwöhnt wurden. Daher können wir uns nach 2 Wochen unterschiedlichster Pfannkuchenarten praktisch als Banana Pancake Expertern bezeichnen. Die Gili Air Bananapancakes mit Honig und frischem Fruchtsmoothie waren ein absolutes Frühstückshighlight. Alle 3 Gili Inseln sind für ihre gut vom Strand aus erreichbaren Schnorchelstellen bekannt. Und so ging es mit dem Rad über Sandtrampelpfade, in denen man immer wieder stecken blieb, um die Insel auf der Suche nach einem geeigneten Schnorchelplatz (und einem Käffchen für Nelki). Neben den ganzen Cocktail- und MagicMushroom Strandkneipen fanden wir ein weniger aufgemotztes und nicht vor Sonderangeboten strotzendes kleines Lokal, welches das einzige war in dem tatsächlich mal wer am Kochen war. Die 5 Frauen zauberten für uns nicht nur ein grossartiges Gemüse- und Papaya Curry sondern boten auch unbewusst Einblick in ihren eigenen Alltag, nachdem sie alle zum Abendessen hinter uns platz nahmen. Wie in vielen asiatischen Kulturen wird mit der rechten Hand gegessen und im Vergleich zu unseren Portionen bestand ihre zum größten Teil nur aus Reis, die Hauptnahrung aller Indonesier, mit etwas Gemüse und Sosse und manchmal etwas Fleisch, Tofu oder Tempe (wie Tofu nur aus ganzen Sojabohnen hergestelltes brotähnliches Etwas, was in Scheiben geschnitten und dann z.B. frittiert wird). Mit der Pferdekutsche gab es einen holprigen Ritt zurück zum Hafen von Gili Air, von wo aus wir gemeinsam mit 30 Balinesen in einem vollgestopften Holzboot weiter zur grossen Nachbarinsel Lombok schipperten.

Die Einwohner dieser Insel sind im Gegensatz zu Bali mehrheitlich muslimischen Glaubens. Ausserdem wird Lombok von wesentlich weniger Touristen frequentiert, mit der Folge, dass nur wenige Leute Englisch sprechen, was für uns aber eine gute Gelegenheit ergab unsere Indonesischkenntnisse (hauptsächlich Jays) weiter auszubauen. Da wir den Plan verfolgten, uns ein Auto zu mieten (Jay war wirklich bereit seine Fahrkünste in dem angeblich weniger befahrenen Lombok unter Beweis zu stellen) ging es mit dem Taxi nach Sengiggi. Dort brachte uns der sehr zuvorkommende Taxifahrer zur Touristen-Infomation und sagte wir können hier ein Auto mieten. Letztendlich wurde uns dort ein sehr dürftiges, lädiertes Auto zum Wucherpreis angeboten und als wir die Leute darauf hinwiesen, dass wir entweder einen Rabatt haben wollten, oder das Auto nicht nehmen würden, kam die echten Absichten dieser Leute zum Vorschein, die uns dann energisch zum Gehen aufforderten. Später erfuhren wir, dass es sich um die lokale Mafia gehandelt hatte, die versuchen die wenigen Touristen auszunehmen, und so war selbst der „nette“ Taxifahrer ein Mittelsmann des ganzen Clans. Etwas frustriert mussten neue Pläne geschmiedet werden und Nelki rief kurzerhand bei unserer Unterkunft an, die wir diesmal im voraus gebucht hatten. Der deutsche Besitzer konnte uns auch sofort aushelfen, so das wir einige Stunden später mit dem Privatauto seiner Bekannten losdüsen konnten. Zum Glück hatte dieses ordentlich Power, den Lomboks Strassen sind wahnsinnig steil, eng, kurvig, voller Schlaglöcher und generell doch recht stark befahren. Immer an der Küste entlang ging bis hoch nach Bayan, wo eine geniale Unterkunft in den Reisfeldern auf uns wartete. Diese war nicht nur harmonisch in die Landschaft integriert, sondern von dem deutschen Paar, welches die Unterkunft betrieb, auch in eine Art zoologische Herberge verwandelt. So gab es neben 2 Hunden, 7 Katzen, 3 Truthähnen, 2 Pferden (die den Rasen mähten) und einer handvoll Hühner sogar einen Affen und einen Doppelhornvogel, die die Besitzerin gerettet und mit der Flasche aufgepäppelt hatte. Um von all diesen tierischen Einflüssen auch mal eine Pause zu bekommen, wanderten wir durch die nahegelegenen Dörfer und die daran angrenzenden weitläufigen Reistrassen und zogen stets interessierte Blicke der Bewohner auf uns, die sich sehr über unser karges Indonesisch amüsierten.

Über Bergketten hinweg führte unser nächster Trip gen Süden in Richtung des Vulkans Rinjani. Doch wie wir leider feststellen mussten war gerade ein öffentlicher Feiertag und so wimmelte die komplette Strecke nur so von Motorrollern und Transportern, die die Bergsteigbegeisterten samt ihrem Equipment zum Ausgangspunkt der Wanderstrecke brachten. Geschockt von den Massen, die unterwegs waren, wurde diese Fahrt für uns zu einem reinsten Nervenakt (vor allem für Jay). Dazu kam noch der Lärm der um uns herum herrschte, was uns dazu veranlasste schnurstracks weiterzufahren. Aufs Geratewohl fuhren wir einfach weiter auf der Strasse bis nach Pringgabaja an die Ostküste Lomboks. Als wir unweit des Städtchens endlich an einem Strand angekommen waren (vermutlich Pantai Ketapang), stiefelte Nelki erst mal alleine am Wasser entlang, war aber bereits binnen 3 Minuten von einer grossen Menschentraube umgeben, die sie alle verblüfft und neugierig unter die Lupe nahmen. So musste ihre weisse Haut den Zupftest bestehen, denn die netten Einheimischen konnten es kaum glauben, dass diese Farbe nicht nur aufgemalt sei. Einer der jungen Männer konnte Englisch sprechen und berichtete das alle völlig aus dem Häuschen sein, weil an diesem Strand das letzte mal vor 4 Jahren vier hellhäutige Europäer vorbeigekommen – so waren wir natürlich DIE Attraktion schlechthin. Jeder wollte sich mit uns fotografieren lassen und aus der Nähe begutachten. Und diese herzlichen Leute luden uns auch ein das Wenige mit ihnen zu teilen. So tranken wir mit ein paar Jungs und Mädels frisches Kokosnusswasser und wurden daraufhin von der nächsten grossen Gruppe freundlich gebeten etwas von ihrem Essen auszuprobieren. Die Mischung aus Reis, einer unglaublich scharfen Sosse und etwas undefinierbarem, grünem und nach Meerwasser schmeckenden Seegras (das ist nur unsere Vermutung) liessen wir uns zur Freude der versammelten Beobachterschar „schmecken“. Das zweite Highlight an diesem Tag war der nahegelegene Markt in Pringgabaja. Die Vielfalt an frischem Obst und Gemüse war atemberaubend, aber auch Nüsse, Kaffeebohnen, Tofu und vieles mehr wurden feilgeboten. Hier deckten wir uns auch wieder mit einem Vorrat an Ananas und Mangosteen-Früchten ein, die neben Drachenfrüchten, Lichies und Lansi-Früchten unser absolutes Lieblingsobst hier sind.

Die Übernachtung in zentral Lombok in der Nähe von Sangjang diente nur dazu, damit wir am nächsten Morgen nicht so weit nach Senggigi fahren mussten, um unser Auto wieder abzugeben. Dort angekommen machte Jay Luftsprünge, denn er war überglücklich, dass das Fahr-Abenteuer ohne Zwischenfälle abgelaufen war und er von nun an wieder gemütlich als Beifahrer unterwegs sein konnte (da sollte es sich aber geirrt haben!). Mit dem Speedboat ging es zurück nach Bali (Padangbai), und weiter auf überfüllten Strassen nach Ubud, wo wir im Highlight Homestay namens Pugig unser neues Basiscamp aufschlugen. Dies lag auf einer kleinen Anhöhe mitten im Lianenjungel. Für die letzten 2 Tage mit Nelki wollte wir uns noch mal was gönnen und hatte so wieder ein 2 stöckiges Haus mit offenem Blick in den Jungel für uns alleine. Da wir hier im Einklang mit der Natur wohnen konnten, mussten wir unbedingt mal schauen wie unsere Vorfahren im nahegelegenen Affenwald Ubuds so hausen. Dieser kleine Wald wird von einigen hundert Javaneraffen bewohnt. Die sind sehr neugierig, schauen also gerne mal in die ein oder andere Hosentasche, oder klauen den unvorsichtigeren Touristen ihre Brillen oder Hüte vom Kopf, um diese berechnend gegen eine Banane wieder einzutauschen. Gleichzeitig konnte man aber auch die nur geringfügig „weiterentwickelten Homosapiens“ namens Menschen beobachten, die eine Banane in die Höhe hielten und so für ein Foto posierend dastanden und darauf warteten, dass ein Affe versuchte an ihnen hochzuklettern, um die Banane zu erreichen – das neue Facebook-Profilbild lässt grüßen :P Darauf hiess es nun Abschied nehmen, denn Nelki, die bei jeder Schandtat mit von der Partie war, und uns beiden „Wild Travelleren“ nicht nur aus nächster Nähe beobachten konnte, sondern tatkräftig bei allen sich bietenden Gelegenheiten mit aus dem Vollen geschöpft hat, musste uns leider Lebewohl sagen (um nun weiter „kurze“ Blogeinträge von uns zu lesen). Die Fangemeinde dankt!

An den letzten uns verbleibenden einsamen Tagen in Ubud sicherten wir uns das phänomenale Pugig Haus für einen Freundschaftspreis und lernten die bisher unerforschten Winkel und Ecken Ubuds wahrlich zu schätzen. Das ging mit einem Motorroller natürlich um einiges besser und Jay durfte wieder mal seine Fahrkünste, diesmal auf 2 Rädern, unter Beweis stellen. Diese 5 Tage mit einem Scooter haben uns tatsächlich noch mal eine ganz andere Seite Balis gezeigt. Bei durchschnittlich 30 km/h durch die Dörfer tuckern und sich den Wind um die Ohren pfeifen lassen hat echt was. Und so begaben wir uns auf zum berühmten Mount Batur, einem Vulkan im Nord-Osten Balis. Normalerweise kann man eine Tagestour mit morgendlicher Besteigung des Vulkans buchen. Kann man machen, muss man aber nicht! Ständig auf andere Leute angewiesen zu sein, sei es der Taxifahrer oder Bergführer, aber auch auf andere Mitbesteiger zu warten, ging uns etwas gegen den Strich. Mit unserem neu gewonnenen zweirädrigen Freund, und zwei sehr stylisch aussehenden Helmen, ging es völlig planlos durch abgelegene Dörfer, auf den wenig befahrenen Nebenstrasse in Richtung Vulkanstadt Batur (eigentlich wussten wir noch gar nicht wo wir hinwollten, aber in Batur sind wir schliesslich gelandet). Zu unserem Erstaunen stellten wir fest, dass der Batur Vulkan selbst schon in einem riesigen Vulkankrater lag, und wir uns nun auf dem äußeren Kraterrand befanden. Unser Glück war es in dem von Touris komplett verlassenen Städtchen Batur gelandet zu sein, anstatt im überfüllten Ort am Fusse des Vulkans, wo es nur so von Bergführern und deren Agenturen wimmelt. Wie uns von vielen Seiten aus berichtet worden war, darf man den Mt. Batur nur in Begleitung eines lokalen Bergführers besteigen. Hätten wir auch gemacht, wären wir nicht mal wieder einem Komang über der Weg gelaufen. Komang kam aus Batur und berichtet zwar von der Heiligkeit des Berges, versicherte uns aber, dass eine Besteigung selbstverständlich auch auf eigene Faust und ohne Führer möglich wäre. Allerdings von der anderen Seite, die von der lokalen Bevölkerung für Aufstiege bei ihren Zeremonien genutzt wird. Er ärgerte sich über die Agenturen die massig Geld mit ihren Führungen machen (pro Person um die 25 Euro, was für einen Balinesen wahnsinnig viel ist) und die Heiligkeit des Berges somit kommerziell ausnutzen, einfach weil sie sich eine Monopolstellung verschafft haben. So beschlossen wir also den Berg auf eigene Faust zu erklimmen, abseits der normalen Route. Früh morgens um 3 Uhr sollte das Abenteuer, von unsere recht bescheidenen Unterkunft aus, los gehen. 4 Wochen Hitze verweichlichen einen ganz schön, so dass sich die am Morgen herrschenden (vermutlich) 15 Grad plus Fahrtwind bitter kalt anfühlten. Auch hatte man uns vor der steilen, kurvigen Strasse gewarnt die in den Krater hinunterführt. So war es unser Mofa, dass uns daran erinnerte, nicht die besten Bremsen für so einen steile Abfahrt zu haben. Halb zu Fuss, halb rollend kamen wir im inneren des Kraters an, nur um weiter über holprige, mit Schlaglöchern und Lavagestein versehene Feldwege zu tuckern. Was am Vortag so einfach aussah, als uns Komang bei Tageslicht den Weg deutete, entpuppte sich als Labyrinth der Finsternis. Nach etwa einer guten Stunde erreichten wir endlich den „Parkplatz“ wo wir unser Gefährt stehen liessen. In der Ferne, auf der anderen Seite des Berges sahen wir eine nicht abreissen wollende Ameisenstrasse von Lichtern, eindeutig die Massen an Touris die von der Bergsteigermafia hochgeschleppt wurden. Voller Genugtuung den Weg ganz für uns alleine zu haben, stiefelten wir mit Taschenlampen ausgerüstet los über unendliche Weiten von Lavageröll. Wir müssen dazu sagen, dass in dem Gebiet am Fusse des Vulkans in dem wir uns befanden, Vulkangestein abgebaut wurde. So gab es unzählige kleine Wege, die von den Lastwägen genutzt wurden, um an das Gestein zu gelangen. Genau so einen Weg fanden wir in der Dunkelheit und folgten diesem, bis der im Nirgendwo endete. Nach dem Motto „einfach in Richtung Bergspitze“ stiefelten wir weiter Querfeldein über riesige Vulkangesteinsberge bis wir einsahen, nicht mal annähernd auf dem richtigen Weg zu sein. Frustration am Abgrund eines Lavahügels folgte Euphorie, endlich wieder auf einem vorgeformten Weg zu sein. Nachdem uns schon die extrem spitzen und leicht ins Rollen kommenden Lavasteine unser Hände und Füße aufgeschnitten hatten, waren wir so genervt und verfluchten unseren Plan diese Mission alleine in Angriff genommen zu haben. Dazu kam noch der Sonnenaufgang, der uns im Nacken sass, der Grund mitten in der Dunkelheit dieses Abenteuer zu bestreiten. Plötzlich erblickten wir zwei Arbeiter, die einen Lastwagen mit Gestein beluden. Gebrochenes Indonesisch und Englisch von beiden Seiten aus gab uns die grobe Richtung zum „offiziellen“ Weg an. Und endlich, nach Stunden der ausweglosen Suche waren wir auf dem richtigen Trampelpfand, der über den Seitenkamm steil bergauf führte. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang schafften wir es dann leider nicht mehr, aber die Spitze des Mt. Batur war komplett eingehüllt in Wolken, mit einem Gemisch aus Dampf der aus dem Inneren des Kraters aufstieg. Ironischer Weise war der Ausblick von der Kraterspitze des Mt. Batur genau so wie von unten vermutet. Die brodelnden Schwaden und die Wolkendecke machten das ganze zu einen dichten Nebelfeld mit 10 m Sichtweite. Die einsamen Weiten die wir auf dem Abstieg genossen zeichneten deutlich den Weg durch das Lavafeld, den wir am morgen so verzweifelt gesucht hatten. Aber aus irgendeinem Grund meinte es das Lavafeld nicht gut mit uns, und machte den Weg auch beim Abstieg unauffindbar. Völlig erleichtert erreichten wir über Umwege unser so geduldig auf uns wartendes Mofa, mit dem es schnurstracks zum erst besten Supermarkt ging, denn unser Wasservorrat war nach 8 Stunden recht knapp geworden. Geschafft aber überglücklich machten wir uns auf den 2 stuendigen Rückwegs nach Ubud, wobei wir uns kaum im Sattel halten konnten.

Unser letzter Tag in Bali war angebrochen und zu ganz früher Stunde ging es zum lokalen Markt, der von morgens um 4 bis spätestens 8 Uhr im Zentrum Ubuds aufgebaut war. Ein letztes Mal die bunten, exotischen Stände mit ihren Köstlichkeiten geniessen, und alles was essbar schien ausprobieren. Wie so oft im Leben trifft man manche Leute erst viel zu spät, aber trotzdem oder gerade deshalb sind solche Begegnung so besonders. Jay hatte nach der Markterkundung einen Heisshunger auf guten Kaffee, der in Ubud tatsächlich existiert. Im Café Seniman, bestückt mit Designer Plastikstühlen die zu Schaukelstühlen umfunktioniert worden waren, trafen wir Benny, einem Weltenbummler und Weinmacher aus Australien, der gleichzeitig in Österreich seinen Zweitsitz hat. Mit ihm ging es zu seinem Lieblings Warnung, wo ein Nasi Campur (Reis mit vielen kleinen Köstlichkeiten) satte 1 Euro kostet. Danach nahmen wir Benny mit, um ein letztes Mal unseren Kokosnuss/Reisbauer Freund Wayan zu besuchen. Diesmal durfte selbst Jay Hand anlegen, um die Kokosnuss aufzubrechen, die das kulinarischen Ende unserer Balireise darstellen sollte.

Danke Bali und danke an all die Leser die es bis hierher geschafft haben.

Sampai Jumpa

Laura und Jay (und Nelki)

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