Für alle die sich jetzt fragen…“sind die zwei etwa immer noch unterwegs und machen sich nen lachsen irgendwo auf ner einsamen Insel..?!“ Ganz so lang waren wir dann doch nicht auf Tour. Aber vor genau einem Jahr haben wir uns auf die Socken Richtung Neuseeland gemacht, und um unseren Blog auch zu einem ordentlichen Abschluss zu bringen, kommt hier der letzte Beitrag unserer Reise…

… auf auf nach Thailand!

Unseren Weg von Malaysia nach Thailand schlugen wir über die Grenzstadt Rantau Panjang ein. Bis dort hin hatten wir uns den Luxus einer Taxifahrt gegönnt und schulterten nun unsere Rucksäcke, um über die Grenze zu laufen. Da der Fastenmonat Ramadan gerade angefangen hatte und die Bewohner im süd-östlichen Teil Thailands überwiegend muslimischen Glaubens sind, wussten wir nicht was uns erwarten würde und ob wir nur unsere verbliebenen Cracker an diesem Tag zum Verzehr haben sollten. Als echte Sparfüchse verzichteten wir auf die „teure“ Fahrt mit einem Taxi-Roller zum nächsten Busbahnhof  (von dem aus die Reise weiter gehen sollte), stattdessen liefen wir vollbepackt entlang der Hauptstraße, auf der es viel zu entdecken gab. Die Crackerration war schnell vergessen als wir am nächstbesten Wochenmarkt vorbei kamen, wo die einheimischen Verkäufer gerade emsig ihre kulinarischen Leckerbissen auf den Verkaufsflächen ausbreiteten. Ohne uns mit den Leuten unterhalten zu können, um zu hinterfragen um was für Köstlichkeiten es sich handelte, griffen wir einfach auf das überall verständliche „Fingerzeigen“ zurück und sollten unseren ersten Vorgeschmack auf das geniale, thailändische Essen bekommen. Gestärkt ging es dann weiter, allerdings mussten wir uns zuvor von der großen Kinderschaar loseisen, die sich in der Zwischenzeit um uns herum versammelt hatte und die Spaß daran fanden uns beim Essen in Augenschein zu nehmen. Die angeblichen 500 Meter zum Busbahnhof zogen sich erstaunlich in die Länge, so dass wir irgendwann nach dem Weg fragen mussten. So lernten wir auch gleich die herzlichen Art der Thais kennen. Denn mir nichts dir nichts saßen wir bei einem älteren Herren im motorisierten, dreirädrigen TukTuk, begleitet von seinen zwei pudelähnlichen Vierbeinern wurden wir direkt vor den Busbahnhof kutschiert – völlig ohne Gegenleistung. Dort hatten wir dann Gelegenheit alle in der kurzen Zeit gewonnenen Eindrücke sacken zu lassen, eine wunderbare heiße bzw. kalte Dusche zu nehmen und alles Weitere abzuwarten – hauptsächlich unseren Bus nach Krabi.

Mit dem Bus benötigten wir satte 9 Stunden, um mitten in der Nacht das kleine Städtchen Krabi, an der Westküste Thailands gelegen, zu erreichen. Nun standen wir „gestrandet“ in dem verlassenen Örtchen, ohne zu wissen wie wir zu unserer Unterkunft kommen sollten, die ein sattes Stück außerhalb lag. Die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren schon lange nicht mehr, oder besser gesagt noch nicht, und so kam es, dass wir uns von einem ominösen Typen, der vor dem einzigen noch offenen Laden in dem eine horde junger Thais mit Internetcomputerspielen ihre Nacht verbrachten herumlungerten, für einen „special“ Preis zu unserer Bleibe fahren ließen. Dort dösten wir dann einige Stunden im Aufenthaltsraum, da sich herausstellte, dass wir im wohl abgedrehtesten PartyHostels der Gegend gelandet waren und Jay erst für den nächsten Tag das Zimmer gebucht hatte. Gerädert beschlossen wir deshalb gleich in aller Frühe die Segel zu streichen und in Zukunft etwas mehr Geld für unsere Unterkünfte auszugeben!

Mit dem typisch thailändischen Longtail-Boot, einem sehr langen und  schmalen Holzboot, welches mit einem ohrenbetäubend lautem Dieselmotor betrieben wird, an dem ein selbstmontiertes ca. 5 Meter langes Eisenrohr mit Antriebswelle angebracht ist, schipperten wir  tags drauf unserem eigentlichen Ziel namens Railay Beach entgegen. Schon vom Boot aus konnten wir die riesigen Steilklippen bestaunen, die wie einsame Pfeiler aus dem Meer herausragten. Die zwei Strände am Railay Beach lagen ebenfalls umrahmt von riesigen Steilhängen und waren somit nur mit dem Boot erreichbar, was einem das Gefühl gab wirklich auf einer kleinen Insel angekommen zu sein.

Diese abgeschiedene Lage führte leider auch dazu, dass der ganze entstehende Müll gesammelt, und sehr mühsam mit Booten zum Festland gebracht werden musste. Da aber auch viele Leute die damit verbundenen Kosten umgehen, häuften sich an bestimmten Stellen stinkende Müllberge auf. Zum Glück wurde im Gegensatz dazu von besorgten einheimischen Verfechtern dieser Umweltverschmutzung, wöchentliche Müllsammelaktionen durchgeführt, bei der wir gleich an unserem zweiten Tag mitmischten. Schweißgebadet stopften wir so einen Sack nach dem anderen und lernten bei dieser Aktion einige nette „Inselbewohner“ kennen.

„Faih“, der kleine, stämmige, thailändische Feuertänzer, erzählte uns von einer Lagune, die in der Mitte von einer der Steilklippen liegen sollte und zu der er mit einigen Freunden aufbrechen wollte. Dieses Abenteuer wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Über Stock und Stein, entlang steiler, nasser Felsghänge musste erstmal der Trampelpfad erklommen werden, was uns zu einem Aussichtspunkt brachte, von wo aus die beiden Strände und die umschließenden Steinformationen zu sehen waren.

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Nun folgte der gefährlichste Teil des Weges, denn es hieß an den feuchten Steilklippen bergabzuklettern. Teils an dicken Lianen hängend, abgewetzte Seile zur Hilfe nehmend, oder ganz frei kletternd ging es nun von Palteau zu Plateau tiefer in den Felsen hinein. Der Nervenkitzel und die ein oder andere brenzliche Situation sollten sich aber vollends lohnen, denn unten ankommend, eröffnete sich ein ca. 30×40 Meter breiter, ovaler Salzwasser-Pool in dem wir abgekämpft und verschwitzt ein „kühles“ Bad nahmen und auf dem Rücken schwimmend die senkrecht abfallenden Gesteinskanten begutachteten.

Den Rückweg nutzten wir, um die Müllsammelaktion vom Vortag weiterzuführen und konnten unter anderem an die 25 einzelne Flip Flops als Fundstücke vorweisen, so dass Laura danach wieder zwei heile, wenn auch nicht zusammenpassende FlipFlops besaß.

Wie schon beschrieben ist die Gegend um Railay Beach von unzähligen Steilhängen aus hauptsächlich rotem Kalkstein umgeben. Das macht dieses Gebiet zu einem der besten und populärsten Kletterspots weltweit. Wir hatten das Glück bei der Müllsammelaktion zwei passionierte Kletterer aus Kanada kennen zu lernen, und bekamen die Chance auch unsere eingerosteten Künste wieder aufzufrischen. Den Vorstieg machte natürlich immer einer der erfahrenen Leute und wir konnten uns anschließend mit einer Top-Rope gesichert an den Aufstieg wagen. Das hieß also jeden noch so kleinen Felsvorsprung, Spalt oder winzige Unebenheit im Gestein zu suchen und die Route spontan an die wechselnden Gegebenheiten anzupassen. Den ersten Aufstieg sollten wir beide ganz gut Meistern, jedoch bei der zweiten, schwierigeren Route gab es irgendwann kein Weiterkommen mehr für uns. So hieß es loszulassen und sich frei schwebend von seinem „Kletter-Buddy“ abseilen zu lassen, wobei wir weit über den Abhang hinausgeschwungen wurden und nur langsam hin und herbaumelnd dem sicheren Felsplateau näher kamen. Unseren Adrenalinkick versuche ich erst gar nicht zu beschreiben, denn die unter uns steil abfallende 50 Meter hohe Klippe bot einen atemberaubenden Ausblick …

Nachdem wir die Landschaft also aus der „Vogelperspektive“  betrachten konnten, fehlte uns nur noch der Blick vom Wasser auf diese imposanten Kalksteinbollwerke der Natur. Mit Paddel und Kajak ging es los, einmal um die Halbinsel herum und möglichst nahe an den nach unten hängenden Stalaktiten vorbei. Nach all den sportlichen Aktivitäten der letzten Tage, gönnten wir uns eine typisch, thailändische Massage von zwei älteren Dame – die uns beide eine Stunde lang sowas von durchnudelten, dass man sich danach fragte ob noch alles an Ort und Stelle war. Die zwei Tage Muskelkater danach waren auch schwer zu definieren … kam das jetzt vom Klettern und Kajak fahren, oder vom massiert werden… ;)

So verbrachten wir eine sehr beeindruckende Woche in dem abgelegenen kleinen Dörfchen am Railay Beach und konnten uns nur schweren Herzens auf den Weg in neue Gefilde machen.

Die schöne Natur sollten wir auch nur kurzzeitig vermissen, denn unsere Busfahrt führte uns vorbei an riesigen Kautschuk- und Palmölplantagen (Malaysia lässt grüßen!) von Krabi aus nach Koh Tao . Diese Insel liegt westlich im Golf von Thailand und ist für ihre hervorragenden Tauch- und Schnorchelspots bekannt. Wir rechneten mit einer kleinen Insel, auf der es weder Supermärkte noch sonstige Einkaufsmöglichkeiten gibt und deckten uns deshalb mit einer kleinen Ration von Mangos, Ananas und Bananen ein. Doch Pustekuchen, als wir den Fuß auf die Insel setzten, merkten wir schnell, dass hier alles vorhanden ist, was das Herz und auch der Magen begehrt.

Als erste Amtshandlung liehen wir uns einen Roller, um die Insel besser erkunden zu können und uns vor allem eine schöne Bleibe in einem ruhigen Gebiet zu suchen. Wir fanden auch eine traumhafte Unterkunft direkt am Strand mit einem großen Balkon und Blick auf das erfrischende Nass. Hier ließ sich das improvisierte Kokosnussschalenmüsli in vollen Zügen genießen.

 

Die angrenzende Tauchschule sollten wir einige Zeit später auch in Anspruch nehmen, denn wir entschieden uns ein paar spezielle Tauchgänge zu buchen, um unseren Fortgeschrittenen Tauchschein zu bekommen. So machten wir beispielsweise einen Tiefentauchgang auf bis zu 30 Meter, wobei es da unten bis auf einzelne dünne, meterlange Korallenäste nur wenig zu bestaunen gab. Als wir jedoch wieder in  seichteres Gewässer kamen, umschwammen wir einen riesigen Unterwasserfelsen, der von unzähligen Korallen besiedelt wurde, die in Form und Farbe nicht unterschiedlicher hätten sein können. Die insgesamt fünf Tauchgänge zeigten uns auch hier wieder einmal die atemberaubende Schönheit dieser faszinierenden Unterwasserwelt auf. Dabei schwammen wir durch enge Felshöhlen, lernten unter Wasser die Navigation mittels Kompass zu steuern, wie man mit Hilfe seines Atmens das Schweben unter Wasser verstärkt oder abschwächt und vieles vieles mehr. …

Wieder an Land wollten wir dieses befreiende Gefühl, dass einem alle Richtungen offen stehen, nicht missen. So nutzten wir die Freiheit, die wir auf Bali durch unseren eigenen Roller schon kennengelernt hatten auch hier ausgiebig, um einige schöne Ecken der Insel anzusteuern und Sonne, Natur und Sandstrände ausgiebig zu genießen. Selbst die entlegensten Schnorchelspots, die wir nur über steile Feldwege erreichten, (wo gelegentliches, spontanes Abspringen des Hintermanns nötig war) fuhren wir an und verbrachten Stunden damit das rege Treiben im Wasser von der Wasseroberfläche aus, durch unsere Schnorchelausrüstung zu bestaunen. Den ein oder anderen farbenfrohen Sonnenuntergang am Wasser sitzend sollte das „i“-Tüpfelchen an diesen Tagen darstellen.

Um bei den ganzen Aktivitäten nicht zu sehr vom Fleisch zu fallen, wurde oftmals ein Abstecher bei dem wohl besten und günstigsten Streetfood-Laden der Insel gemacht. Ganz spartanisch in einem selbstgebauten Wellbechverschlag zauberten die zwei Einheimischen in einer unglaublichen Geschwindigkeit super leckere Gerichte, bei dem wir den Schärfegrad jedes mal etwas steigerten.

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Da die Zeit auf Koh Tao die letzten zwei Wochen unsere Reise waren, ließen wir uns vollends auf das gechillte Leben der Inselbewohner ein, von denen viele ausländische Tauchliebhaber waren, die dort ihre neue Heimat gefunden hatten. Völlig entspannt aber auch recht wehmütig blickten wir auf dieses Fleckchen Erde zurück, dass sich zwischen dem blauen Ozean emporsteckte, als unser Schiff ablegte und das letzte Kapitel unserer langen Reise beginnen sollte.

Die Millionenmetropole Bangkok sollte uns nämlich mit wehenden Fahnen Willkommen heißen. Doch bevor wir dort angelangten, durften wir am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt aneinandergekuschelt in einem klimatisierten Nachtzug den vorherrschenden „Minusgraden“ zu trotzen.

Die Nacht war überstanden und im pulsierenden Bangkok fühlten wir uns von Beginn an wie in einem wabernden und zum Bersten gefüllten Bienenstock, wobei man gar nicht weiß wo man zuerst hinschauen soll. Von den Menschenmassen mitgesogen weiß man nicht wo der nächste Schatz am Straßenrand verkauft wird. Alles wimmelt von Leuten, riecht nach frisch gebratenem Fleisch, Fisch und Gemüse, die Woks qualmen vor sich hin und hüllen die Straßen in ihre Dampfwolken, Kokosnüsse werden geköpft, die Ladies für die Thaimassagen stehen vor jedem zweiten Haus und warten auf Kundschaft und überall wird Kleidung, Schmuck, DVDs, Münzen, Süßspeisen und sonstiger Krust feilgeboten und die ständigen Fragen, ob man ein Hotelzimmer benötigt, oder sich doch endlich einen Maßanzug von Prada zulegen will, sind allgegenwärtig.

Bangkok ist noch viel schlimmer als Berlin, wenn man etwas von der Stadt sehen will, verbringt man einige Zeit damit nur von A nach B zu fahren. Deshalb blieben wir in unserem Viertel und unternahmen eher längere Spaziergänge durch die Straßen und Seitengässchen. Unser Weg führte uns so auch zum Grand Palace, dem größten Tempel Bangkoks. Dort sammelten sich die Menschenmassen bereits vor den Außenmauern und als wir letztlich wegen Lauras inadäquater Kleidung, die aus einem Sarong um die Beine geschwungen bestand und einem zweiten um die Schultern gebunden, waren wir irgendwie heilfroh doch nicht diese Massenabfertigung von Touris beigewohnt zu haben. Denn nur drei Straßen weiter stießen wir auf einen anderen Tempel mit ganz ähnlichen Gebäuden und Bauten in dem wir uns wesentlich entspannter von den beeindruckenden Bauwerken in eine andere Epoche zurückwerfen lassen konnten.

Da unsere paar Tage in Bangkok schnell vergingen und wir das thailändische Essen so sehr in unser Herz geschlossen hatten, beschlossen wir die letzte Möglichkeit zu nutzen und zumindest einen kleinen praktischen Einblick der kulinarischen Besonderheiten dieses Landes mitzunehmen, was wir in Form eines eintägigen Kochkurses auch taten. Hier lernten wir die Zubereitung der bekanntesten Gerichte, wie eine Currypaste hergestellt wird und dass sogar selbst die Thais diese Paste kaufen und nicht zu Hase selbst anfertigen, da die 13 Zutaten die dafür benötigt werden zu aufwendig sind, diese zu Hause vorrätig zu haben.

Mit diesem kulinarischen Highlight schließen wir auch schweren Herzens unsere 6 1/2 monatige Reise und lassen uns für dieses Jahr weiterhin überraschen was noch auf uns zukommen wird.

Unser „Made in Thailand“ Mitbringsel wird hoffentlich im März das Licht der Welt erblicken ;)

Wir sagen good bye, Sampai jumpa, Selamat tinggal und laa goon / ลาก่อนครับ

Laura & Jay

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